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#12 - Agile Werte – Die Grundlage für ein agiles Mindset

12.07.2021 – Blogbeitrag von Julia & Jakob
Damit Agilität in neuen Projekten, einzelnen Teams oder in ganzen Unternehmen ganzheitlich funktionieren kann, benötigt es agile Werte. An diesen kann man sich orientieren. Sie helfen dabei, den Fokus auf die Agilität zu legen und ihn nicht zu verlieren.

Dabei sind sie aber keine Gebrauchsanweisung, an die man sich präzise und Schritt für Schritt halten muss. Aber sie machen mitunter das Mindset aus, das man benötigt, um agil zu arbeiten oder sogar agil zu werden. Aus diesem Mindset darf man stellenweise natürlich auch ausbrechen. Manchmal wird das vielleicht sogar nötig sein, aber im Großen und Ganzen sollte jede*r versuchen, sich die agilen Werte immer wieder zu verinnerlichen und wenn möglich zu berücksichtigen.

Rückblick: agiles Manifest

In unserem letzten Blogbeitrag über das agile Manifest haben wir die agilen Werte bereits genannt, ohne aber näher auf sie einzugehen.

Dort stellen wir heraus, wie die agilen Werte entstanden sind. Denn sie sind Teil des agilen Manifests, das 2001 von den Snowbird 17 verfasst wurde. Ihr Ziel war es, die Softwareentwicklung zu beschleunigen und gleichzeitig die Fehlerquote zu senken. Dabei hat das agile Manifest aber nicht mehr nur Relevanz für die Softwareentwicklung. Auch für viele andere Branchen und Bereiche ist es heute wichtig – gerade jetzt, da flexible Arbeitszeiten und internationale Projekte immer weiter boomen.

Die 4 agilen Werte

Individuen und Interaktionen sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge.

Funktionierende Software ist wichtiger als umfassende Dokumentation.

Zusammenarbeit mit dem Kunden ist wichtiger als Vertragsverhandlungen.

Reaktion auf Veränderung ist wichtiger als das Befolgen eines Plans.

Grundsätzlich lesen sich die 4 agilen Werte folgendermaßen: alles, was auf der linken Seite steht, ist wichtiger als der gegenüberliegende Part auf der rechten Seite. Das soll aber nicht heißen, dass die rechte Seite vernachlässigt werden sollte, weil sie unwichtig scheint – denn das ist sie nicht. Auch die Werte auf der rechten Seite sind wichtig, nur eben nicht so sehr, wie die der linken.

1. Individuen und Interaktionen

sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge

Die einzelnen Individuen, d. h. die Menschen, die das Team bilden stehen im Mittelpunkt. Ihr direkter Austausch untereinander ist wichtiger als jede Formalie. Denn ein Prozess kann noch so ausgefuchst und gut dokumentiert sein, er wird trotzdem niemals ein Gespräch zwischen zwei Personen ersetzen können.

Auf Basis dessen erscheint es auch nur logisch, die Menschen und ihre Kommunikation untereinander höher zu gewichten als Prozesse und Tools. Selbstverständlich sollten auch diese angewandt werden, doch niemals sollten vorgeschriebene Prozesse die Kommunikation zweier Personen einschränken. Denn Menschen nehmen Veränderungen und Kundenbedürfnisse wahr, nicht Prozesse und Tools.

2. Funktionierende Software

ist wichtiger als umfassende Dokumentation

Eine detaillierte Dokumentation der Arbeitsabläufe kann sicher nicht schaden. Es sei denn, sie verhindert das Funktionieren der Software. Dieser Punkt bezieht sich in dieser Formulierung noch stark, auf den ursprünglichen Gedanken des agilen Manifests: die Optimierung der Softwareentwicklung. Die agilen Werte lassen sich aber auch wunderbar auf andere Branchen und Bereiche übertragen. Denn letzten Endes steht die funktionierende Software auch nur stellvertretend für beinahe jedes andere Projekt oder Produkt, an dem wir arbeiten.

Agilität soll Dokumentationen nicht grundsätzlich abschaffen. Aber sie möchte versuchen, die Dokumentation auf ein nötiges Minimum zu beschränken, damit fokussiert an der eigentlichen Aufgabe gearbeitet werden kann. Also gib Deinem Team die benötigten Informationen, ohne es mit überflüssigen Details zu langweilen.

3. Zusammenarbeit mit dem Kunden

ist wichtiger als Vertragsverhandlungen

Sieh Deine Kundschaft doch einfach mal als demselben Team angehörig an – und nicht nur als auftraggebende Personen. Schließlich sind sie ein elementarer Bestandteil deiner Arbeit und je besser die Kommunikation miteinander funktioniert, desto besser läuft auch das Projekt. Selbstverständlich ist ein gut ausgehandelter Vertrag wichtig, aber was bringt der, wenn das Projekt nicht läuft, weil man sich nicht mit dem Kunden austauschen kann?

Agilität heißt also auch, den Kunden oder die Kundin von Anfang an in die Arbeitsprozesse miteinzubeziehen.

4. Eingehen auf Veränderung

ist wichtiger als das Befolgen eines Plans

Das strikte Befolgen eines Plans kann ein Weg zum Erfolg sein. Man hat das Ziel fest vor Augen, entwickelt eine Vorgehensweise, die dorthin führt und zieht sie durch. Was passiert aber, wenn eine Veränderung auftritt, die es nicht möglich macht, den Plan durchzuziehen?

Stell es Dir mal als eine Autofahrt vor. Du hast ein Ziel und legst Dir eine Route zurecht, mit der Du dorthin kommst. Dann stellst Du aber während der Fahrt fest, dass eine Baustelle es nicht möglich macht, Deine angepeilte Route weiter zu verfolgen. Was machst Du? Wohl kaum vor der Baustelle warten, bis diese fertig ist. Nein – Du passt dich an, bist flexibel und dennoch nicht hektisch oder willkürlich. Dabei verlierst Du Dein Ziel nicht aus den Augen.

Agilität heißt Anpassungsfähigkeit, heißt Adaption, heißt Antizipation. Dass Veränderungen auftreten, müssen wir wohl niemandem erklären. Vermutlich kennt jede*r das aus dem Alltag. Nur wie schnell man auf diese Veränderungen reagieren kann, macht den Unterschied.

Was lernen wir aus den 4 agilen Werten?

Zunächst einmal zeigen uns die 4 agilen Werte eine Gewichtung auf. Eine Gewichtung, die wir in unserer Arbeitseinstellung einnehmen müssen, wenn wir agil arbeiten wollen oder mit unserem Unternehmen sogar agil werden möchten. Dafür müssen wir Individuen und Interaktionen über Werkzeugen und Prozessen ansiedeln. Wir müssen ein ausgereiftes und funktionierendes Produkt, ganz gleich in welcher Branche, mehr wertschätzen lernen als eine ausufernde Dokumentation der Arbeitsprozesse. Und wir müssen endlich mit unseren Kunden zusammen an Projekten arbeiten, um gemeinsam auf die schnellen Veränderungen des Marktes reagieren zu können.

Denn je schneller das Team oder das Unternehmen sinnvoll und zusammen mit den Kunden und Kundinnen auf Veränderungen reagieren können, desto schneller und besser sind die Ergebnisse da. Ein agiles Mindset zu haben muss dabei nicht heißen, die Veränderungen vorherzusehen. Ein agiles Mindset zu haben, heißt, auf die Veränderungen eingehen zu können. Diese 4 agilen Werte allein machen das Mindset aber noch nicht agil – denn agile Prinzipien erweitern die Werte und formen das agile Mindset weiter aus.

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#10 - Was ist agiles Arbeiten und wie profitieren Unternehmen davon?

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